Ortschronik von Marquartstein

Der Ursprung unserer Gemeinde

Auch wenn die Historie Marquartsteins bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht, so ist die politisch eigenständige Gemeinde eigentlich noch sehr jung. Erst 1938 entstand die heutige Gemeinde Marquartstein durch Abtrennung und Zusammenfassung von Gebieten aus den Gemeinden Grassau, Schleching und Unterwössen.

Funde im Achental aus der Bronzezeit um 800 v. Chr. belegen menschliche Aktivitäten in der Gegend, lassen aber noch nicht auf eine tatsächliche Besiedlung schließen, da zu jener Zeit das gesamte Gebiet des ehemaligen Chiemseegletschers noch sehr lange nach der Eiszeit und nach der Verlandung des südlichen Seengebietes sumpfig und recht unwirtlich war.

Im Laufe des 10. Jahrhunderts entstand – aufgrund der ständigen Ungarneinfälle – auf einem Höhenrücken des Schlossberges die Burg Hohenstein. Am Fuße dieser Burg wuchs allmählich eine Siedlung, das spätere Staudach-Egerndach.

Marquartstein im Laufe der Zeit

  • 1075

    Burg Marquartstein.

    1075 erbaute Marquart II. die Burg Marquartstein. Er nannte die Burg „Marchwartstain“. Mit ihr hatte er einen guten Überblick über das ganze Achental, das damals „Grassauerthal“ hieß. Mit dem Bau dieser Burg beginnt die eigentliche Geschichte des Ortes Marquartstein.

  • ab 1275

    Ausbau des Herzogtums

    Herzog Heinrich XIII. begann, sein ganzes Herzogtum planmäßig auszubauen und zu organisieren. Zu diesem Zweck teilte er das Land in Gerichts- und Kastenamtsbezirke ein und besetzte diese mit Pflegern, Richtern und Amtleuten. So entstand das „Pfleggericht Marquartstein“ auf der Burg Marquartstein (heute verwaltungsmäßig vergleichbar mit einem Landratsamt, einem Finanzamt und einem Gericht in einem). Dieses Pfleggericht sollte bis 1803 bestehen.

    ab 1275

  • 1637 - 1640

    Erbauung der heutigen Schnappenkirche.

  • 1803

    Aufhebung des Pfleggerichts Marquartstein und Einverleibung in das Landgericht Traunstein. Die Burg blieb nur mehr Sitz des Forstamtes und eines Archivamtes.

    1803

  • 1822

    Bau eines Forstamtes

    Bau eines neuen Forstamtes in Marquartstein. Dazu verwendete man die Steine der verfallenen und abgerissenen Nordwand der Burg. Teile der Burg wurden nunmehr als Getreidespeicher verwendet. Die Burg wurde zur Ruine erklärt

  • 1884

    Bau der Lokalbahn Übersee-Marquartstein

    Bau der Lokalbahn Übersee-Marquartstein mit Haltestelle in Staudach. Marquartstein wurde zum wirtschaftlichen Mittelpunkt des Achentales und erhielt einen ungeahnten Aufschwung. Der einsetzende Sommerfrischler- und Touristenverkehr führte zum Bau weiterer Gasthäuser rund um den Bahnhof herum und es entstanden Villen. Viele Künstler und berühmte Persönlichkeiten, wie Richard Strauss, zog es nach Marquartstein. Der Fremdenverkehr war eigentlich ein Nebenprodukt, da die Bahn hauptsächlich wegen des Holzreichtums des Tales und der Zementfabriken in Staudach gebaut wurde.

    1884

  • 1890-1908

    Richard Strauss

    Der berühmte Komponist Richard Strauss lebte in Marquartstein und schuf hier die meisten seiner Werke.

  • 1911

    Eisenbeton-Hängebrücke über die Tiroler Ache

    Bau der Eisenbeton-Hängebrücke über die Tiroler Ache in Marquartstein. Ein Kuriosum zu jener Zeit.

    1911

  • 1936

    Bau der Pfarrkirche

    Bau der Pfarrkirche „Zum kostbaren Blut“; bisher gab es in Marquartstein nur die Burgkirche, ein kleines Kirchlein östlich der Burg, die dem Hl. St.Veit geweiht war. Die Kirche besuchte man bisher in Grassau.

  • 1938

    selbständige politische Gemeinde

    Mit Wirkung vom 01. April 1938 wurde Marquartstein eine selbständige politische Gemeinde.

    1938

  • 1958

    Bau der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche in Marquartstein.

  • 1962

    Drei Ortschaften werden umgemeindet

    Drei Ortschaften der Gemeinde Grassau werden in die Gemeinde Marquartstein umgemeindet: Niedernfels, Pettendorf und Piesenhausen.

    1962

  • 1978

    Verwaltungsgemeinschaft

    Die Gemeinden Staudach-Egerndach und Marquartstein bilden eine Verwaltungsgemeinschaft mit Sitz in Marquartstein. Die Gemeinde Staudach-Egerndach konnte als kleinste Gemeinde des Landkreises Traunstein somit ihre Selbständigkeit bewahren.

  • 2000/2001

    Bau des neuen Rathauses

    Bau des neuen Rathauses in Marquartstein, dem gemeinsamen Verwaltungsgebäude der Gemeinden Marquartstein und Staudach-Egerndach.

    2000/2001

Josef-Bock-Dorfarchiv

Marquartstein

Da die politische Gemeinde Marquarstein erst seit 1938 besteht, hat Marquartstein kein großes, offizielles Dorfarchiv zu bieten. Doch einige örtliche Sammler und Heimatkundler haben ihre gesammelten Schätze in die Obhut der Gemeinde übergeben. Allen voran unser Ehrenbürger Josef Bock – er hat einen großen Teil seines Lebenswerkes der Gemeinde anvertraut hat. Als Dank und in Würdigung der Verdienste Josef Bocks hat das Marquartsteiner Dorf zum 90. Geburtstag des Heimatkundlers den Namen „Josef Bock“-Dorfarchiv erhalten. Im Jahr 2021 verstarb Josef Bock in seinem 91. Lebensjahr – er hinterlässt eine große Lücke, kaum einer kannte Marquartstein so gut wie er.

Inhalte der kleinen, aber feinen Sammlung sind u.a.:

  • verschiedenste Themensammlungen von Josef Bock
  • Bilder-Archiv von Sepp Baumgartner (hauptsächlich Dias)
  • Sammlung der Fotografin Marlo Vogel-Mieritz
  • Archiv der Kgl. priv. Schützengesellschaft Marquartstein
  • Renovationsakten aus den Jahren 1811–15 und 1856/57 (Rasterkarten von Reit im Winkl bis Übersee)
  • historische Postkartensammlungen (u.a. Korrespondenz von Richard Strauss)
  • Bestände des Bauerntheater Marquartstein (u.a. Textbücher)
  • eine rund 2.700 Jahre alte Bronzefibel
Das Archiv der Gemeinde Marquartstein steht interessierten Bürgerinnen und Bürgern gegen Voranmeldung im Rathaus unter Tel. 08641 / 6995-0 für nicht kommerzielle Zwecke und nach Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen zur Verfügung. Dritten kann auf Anfrage und bei begründetem Interesse ebenfalls Zugang gewährt werden.

Sie haben auch historische Bilder, Dokumente oder Ähnliches, die Sie nicht wegwerfen und für zukünftige Generationen zur Verfügung stellen wollen? Dann melden Sie sich bitte im Rathaus oder beim Beirat „Kultur und Bildung“!